Lage und Gliederung
Wallstadt liegt im Osten Mannheims und ist einer der elf äußeren Stadtbezirke. Der Bezirk besteht aus dem einzigen Stadtteil Wallstadt, zu dem auch der östlich gelegene Ort Straßenheim gehört, trägt die Postleitzahl 68259 und zählte am 31. Dezember 2024 genau 7.746 Einwohner mit Hauptwohnung auf 7,08 Quadratkilometern.
Damit ist Wallstadt der drittkleinste der 17 Mannheimer Stadtbezirke nach Einwohnern; nur Neuostheim/Neuhermsheim und Friedrichsfeld sind kleiner. Gut zwei Prozent der 328.647 Mannheimer wohnen hier. Bei rund 1.100 Einwohnern je Quadratkilometer ist der Bezirk locker bebaut, ein großer Teil der Fläche ist Feldflur. Die amtliche Ordnungsziffer ist die 14.
Angrenzende Stadtbezirke sind Feudenheim im Süden und Vogelstang im Westen. Im Norden liegt das hessische Viernheim, im Osten Heddesheim im Rhein-Neckar-Kreis, im Südosten folgt Ilvesheim. Die Ilvesheimer Straße und die Heddesheimer Landstraße führen aus dem Ort zu den Nachbargemeinden.
Eine Übersicht aller 17 Bezirke und 38 Stadtteile finden Sie im Stadtteil-Hub.
Geschichte in Kürze
Wallstadt ist über 1.250 Jahre alt, wurde im Dreißigjährigen Krieg vollständig entvölkert und kam 1929 als Dorf zu Mannheim.
Am 8. März 766 wird der Ort als Walahastath im Lorscher Codex genannt, am 11. Juli 788 erwähnt eine Schenkung ein Sulpicius-Patronat. 1369 ist erstmals ein Schultheiß überliefert, 1386 die Petrusgemeinde. 1457 kaufte Hans Wambold ein Gut und errichtete ein Schlösschen mit seinem Wappen. Kurfürst Ottheinrich führte 1556 die Reformation ein.
Der Dreißigjährige Krieg traf Wallstadt hart: 1622 zerstörte Tilly das Dorf, von der Kirche blieb nur der Turm. 1633 stellten die Schweden den reformierten Glauben wieder her, doch die Scharmützel kosteten fast alle Einwohner das Leben. Zeitweise lebten nur noch sechs Menschen im Ort, und bei Kriegsende 1648 war Wallstadt völlig leer, weil auch der letzte Überlebende, Schultheiß Valtin Ihle, nach Feudenheim zog. Ab 1650 siedelte Kurfürst Karl Ludwig Wallonen, Franzosen und Holländer an; 1671 zählte man wieder 20 Familien. Die Kriege von 1674/75 und 1688 bis 1697 verwüsteten die Pfalz erneut, 1707 gab es 19 Familien.
Im 18. Jahrhundert stabilisierte sich das Dorf: 1706 erhielten die Reformierten die Ruine der Petruskirche, 1736 entstand eine katholische Schule, bis 1767 die St.-Oswald-Kirche, 1789 bis 1791 wurde die Petruskirche wieder aufgebaut. 1803 kam Wallstadt zu Baden. Während der Befreiungskriege waren ab November 1814 fünf Monate lang rund 12.000 österreichische Soldaten einquartiert. 1838 baute man das Rathaus, das heute Sitz des Bürgerdienstes ist. 1863 kam der Ort zum Bezirksamt Mannheim, 1868 bis 1872 wurde die evangelische Petruskirche unter Einbeziehung des alten Turms neu errichtet, 1887 der heutige Friedhof außerhalb des Orts angelegt und 1898 die Simultanschule an der Römerstraße fertiggestellt.
1905 entstand der Wasserturm, 1909 verband eine Bahnlinie Wallstadt direkt mit Mannheim, 1911 bis 1914 wurde die katholische Herz-Jesu-Kirche an der Römerstraße gebaut. Am 1. Juli 1929 folgte die Eingemeindung nach Mannheim, Straßenheim kam 1930 dazu. Im Zweiten Weltkrieg brannte die katholische Kirche in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1943 nach Phosphorbomben aus; sie wurde 1950 als Christ-König-Kirche neu geweiht, weil es im Dekanat Mannheim nach der Eingemeindung zwei Herz-Jesu-Kirchen gab. Das Neubaugebiet Wallstadt Südwest ließ die Einwohnerzahl ab 1979 wachsen, 1997 entstand in Wallstadt-Nord das seinerzeit größte ökologische Neubaugebiet Deutschlands.
Charakter und Wohnen
Wallstadt ist ein Dorf in der Stadt: ein alter Kern um Mosbacher Straße, Römerstraße und Rathausplatz, umgeben von Wohngebieten der letzten fünfzig Jahre und offener Feldflur.
Die Mosbacher Straße war bis 1929 schlicht die Hauptstraße, die Römerstraße hieß Wormser Straße, die Atzelbuckelstraße Schulgasse; mit der Eingemeindung 1929/1930 erhielten die Straßen des Kerns neue Namen, viele davon nach Orten in Nordbaden. Um den Kern liegen Einfamilien- und Reihenhausgebiete: Die Straßen der 1977 erschlossenen Gebiete tragen Namen von Odenwald- und Taubertal-Orten wie Buchen, Mudau, Walldürn oder Tauberbischofsheim, die Gebiete von 1981 Namen germanischer Stämme wie Wikinger-, Normannen- und Merowingerstraße oder Cheruskerring. Das Neubaugebiet von 1997 im Norden war das größte ökologische Neubaugebiet Deutschlands seiner Zeit.
Die Pfälzer Mundart Wallstadts hat der Dichter Max Barack 1875 in der Sammlung Der Drumbeder vun Wallstadt festgehalten. Bekanntester Sohn des Bezirks ist der Sänger Xavier Naidoo, der im Celebration Gospel Choir unter dem Dach des Gesangvereins Sängerkreis aktiv war. Aus Wallstadt stammt auch der frühere Mannheimer Polizeipräsident Willi Menz. Mehr zu den Straßennamen im Straßenlexikon.
Quartiere und Ortslagen
Wallstadt besteht aus dem Ortskern, den Erweiterungsgebieten Südwest und Nord sowie dem eigenständigen Ort Straßenheim im Osten.
Ortskern um Mosbacher Straße und Rathausplatz
Die 1,56 Kilometer lange Mosbacher Straße ist die Achse des alten Dorfs. An ihr und an der Römerstraße liegen das Rathaus von 1838, die Simultanschule von 1898, die evangelische Petruskirche und die katholische Christ-König-Kirche. Die Oswaldstraße, früher Kirchenstraße, erinnert an die 1767 vollendete St.-Oswald-Kirche, die 1921 zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaut und 1970 abgebrochen wurde; nur die Portalfassung ging in den Neubau der Volksbank über. Am Wallstadter Bahnhof heißt die Straße am früheren OEG-Halt.
Wallstadt Südwest
Das ab 1979 bezogene Neubaugebiet Wallstadt Südwest ließ die Einwohnerzahl deutlich steigen. Seine Straßen wurden 1977 nach Orten des Odenwalds und Taubertals benannt, darunter Mudauer Ring, Buchener, Seckacher und Osterburker Straße. Der frühere Kerweplatz an der Ecke Mosbacher und Amorbacher Straße ist heute ebenfalls Neubaugebiet.
Wallstadt-Nord
1997 entstand in Wallstadt-Nord das größte ökologische Neubaugebiet Deutschlands. Zu den jüngeren Wallstadter Straßen gehören Namen aus der Natur wie Am Unkenteich, Elritzenweg, Binsenweg und Kormoranstraße.
Straßenheim
Straßenheim ist ein kleiner, ehemals selbstständiger Ort östlich von Wallstadt, der 1930 nach Mannheim eingemeindet wurde und seitdem zum Stadtteil Wallstadt gehört. Der Straßenheimer Weg führt von der Spreewaldallee auf der Vogelstang 3,18 Kilometer weit bis dorthin; sein westlicher Teil wurde 1966 beim Bau der Vogelstang in Eberswalder Weg und Chemnitzer Straße umbenannt. Im Ort selbst gibt es die Ortsstraße und den Hirschländerweg. Die Katholiken Straßenheims gehören seit 1912 zur Kirchengemeinde Wallstadt. Straßenheim hat wie Wallstadt und Feudenheim einen Wasserturm aus der Zeit um 1905.
Sehenswürdigkeiten und Freizeit
Wasserturm, Petruskirche und Christ-König-Kirche sind die Wahrzeichen; die Kerwe im August ist das Fest des Jahres.
Der 1905 fertiggestellte Wasserturm ist 40,43 Meter hoch, steht unter Denkmalschutz und gilt als Wahrzeichen Wallstadts. Die evangelische Petruskirche wurde 1868 bis 1872 unter Einbeziehung des alten Turms neu gebaut; ihre zwei neuen Glocken wurden weitgehend aus Kanonenbronze bezahlt, einer Spende des Großherzogs aus der Kriegsbeute von 1870/71. Der Gemeinschaftsfriedhof um die Kirche wurde 1887 nach mehr als 1.000 Jahren geschlossen. Die katholische Christ-König-Kirche an der Römerstraße entstand 1911 bis 1914 und wurde nach dem Bombentreffer 1943 wieder aufgebaut. Weitere Bauwerke der Stadt beschreibt die Seite Historische Gebäude.
Am zweiten Augustwochenende findet die Wallstadter Kerwe statt, traditionell auf dem Rathausplatz, seit dessen Neugestaltung auf dem Gelände der SpVgg Wallstadt. Der Fußballverein ist auf der Bezirkssportanlage Mannheim-Vogelstang/Wallstadt zu Hause. Das Naherholungsgebiet an den Vogelstang-Seen mit Reiterhof, Kleingärten und Tennisanlage liegt in Fußweite. Weitere Ausflugsziele listet die Seite Sehenswürdigkeiten.
Verkehr und Anbindung
Wallstadt ist über die Stadtbahnhaltestelle Wallstadt Bahnhof, die Haltestelle Kiesäcker und drei Buslinien angebunden; die Autobahn A 6 verläuft am Rand des Bezirks.
Seit 1909 verbindet eine Bahnlinie Wallstadt mit Mannheim, ursprünglich als Zweigstrecke der Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (OEG) von Käfertal nach Heddesheim. Der frühere OEG-Bahnhof Mannheim-Wallstadt heißt heute Wallstadt Bahnhof und ist Haltestelle der Stadtbahnlinien 5A und 15 der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV); die Linie 15 endet an der Haltestelle Wallstadt Ost. Rund 50 Meter vor dem Ortseingang liegt die Haltestelle Kiesäcker der Linie 7, die von der Vogelstang über die Innenstadt nach Ludwigshafen fährt. Dazu kommen die Buslinien 50, 57 und 57E.
Für den Autoverkehr führen die Tauberbischofsheimer Straße zur Autobahn und die Keltenstraße zur Autobahnunterführung; die Sudetenstraße verbindet die B 38 mit der Gemarkungsgrenze. Nach Heddesheim geht es über die Heddesheimer Landstraße, nach Ilvesheim über die Ilvesheimer Straße.
Einkaufen und Alltag
Der Alltag spielt sich im Ortskern entlang der Mosbacher Straße ab, das große Angebot liegt im Kurpfalz-Center auf der Vogelstang.
Im Rathaus von 1838 sitzt der Bürgerdienst, als äußerer Stadtbezirk hat Wallstadt zudem ein Gemeindesekretariat und einen Bezirksbeirat mit zwölf Mitgliedern. Die Simultanschule an der Römerstraße besteht seit 1898 und erhielt 1935 einen Erweiterungsflügel und 1965 eine Turnhalle. Die evangelische Gemeinde nutzt das Gemeindehaus an der Atzelbuckelstraße von 1926, die katholische das 1957 gebaute Gemeindehaus in der Königshofer Straße.
Für den Großeinkauf ist das Kurpfalz-Center an der Spreewaldallee auf der benachbarten Vogelstang die nächste Adresse. Filialen in der Umgebung finden Sie in der Übersicht der Banken in Mannheim, Übernachtungsmöglichkeiten auf der Seite Hotels.