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Ortsteil · Mannheim · Stadtbezirk Sandhofen

Kirschgartshausen: Hofgut und Weiler im Norden von Mannheim-Sandhofen

Kirschgartshausen ist ein Weiler und ehemaliges Hofgut im äußersten Norden Mannheims. Er gehört zum Stadtbezirk Sandhofen, Stadtteil Sandhofen-Nord, und liegt westlich der B 44 zwischen Sandhofen, Blumenau und dem hessischen Lampertheim. Seit 2021 entwickelt der Dietrich-Bonhoeffer-Verein das historische Gelände zu einem Bildungscampus mit Wiesenkindergarten.

Was ist Kirschgartshausen?

Kirschgartshausen ist ein kleiner Weiler und ehemaliges Hofgut im äußersten Norden Mannheims, der aus etwa einem Dutzend verstreut stehender Gebäude, Scheunen und Ställen besteht. Er ist keine eigenständige Siedlung mit Ortskern, sondern eine landwirtschaftlich geprägte Ortslage des Stadtbezirks Sandhofen, die über Jahrhunderte als Klostergut, kurpfälzisches Tafelgut und badische Staatsdomäne bewirtschaftet wurde.

Der Name geht auf das Zisterzienserinnenkloster Kirschgarten in Worms zurück, das den Ort im 13. Jahrhundert erwarb. Ursprünglich hieß die Siedlung schlicht Husen, also Hausen; der Klostername wurde später vorangestellt. Kirschgartshausen liegt im äußersten Nordwesten Baden-Württembergs: Die Grenze zu Rheinland-Pfalz am Rhein ist zwei Kilometer entfernt, die Grenze zu Hessen nur wenige hundert Meter nördlich und nordwestlich.

Wer nach Kirschgartshausen sucht, meint meist eines von drei Dingen: das historische Hofgut mit seinem Herrenhaus, den Bildungscampus des Dietrich-Bonhoeffer-Vereins oder den Weiler als Ausgangspunkt für Wege an den Rhein und in die Auen.

Lage und Zugehörigkeit

Kirschgartshausen gehört zum Stadtbezirk Sandhofen und dort zum statistischen Stadtteil Sandhofen-Nord; die Postleitzahl ist 68307. Der Weiler liegt westlich der B 44 zwischen dem Ortskern von Sandhofen im Süden und der hessischen Stadt Lampertheim im Norden.

Von Mannheim aus ist Kirschgartshausen die letzte Siedlung vor der Landesgrenze. Diese Randlage war schon nach 1803 wichtig, als hier eine badische Zollstation an der Grenze zu Hessen entstand. In der Nachbarschaft liegen der Scharhof im Süden, die Siedlung Blumenau und die Coleman Barracks der US-Armee im Osten sowie die Rheinauen im Westen. Die Straße Der Hohe Weg zum Rhein ist die einzige Straße, die das Straßenlexikon der Stadt dem Gebiet Kirschgartshausen zuordnet; vom Scharhof führt die Kirschgartshäuser Straße herüber.

Der Bezirk Sandhofen ist mit 26,71 Quadratkilometern der flächengrößte Mannheims und hatte am 31. Dezember 2024 insgesamt 14.107 Einwohner. Kirschgartshausen trägt dazu nur wenig bei: Bei der Eingemeindung 1930 bestand die Einwohnerschaft aus neun ansässigen Familien und etwa 100 landwirtschaftlichen Saisonarbeitern. Eine Übersicht aller Bezirke und Ortslagen finden Sie im Stadtteil-Hub, die Straßen der Umgebung im Straßenlexikon.

Was es dort gibt

Auf dem Gelände gibt es heute drei Hauptnutzer: den Dietrich-Bonhoeffer-Verein für christliche Pädagogik Mannheim mit Wiesenkindergarten und geplantem Bildungscampus, eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt von Südzucker und Lagerflächen des Landes Baden-Württemberg.

Im Mai 2021 übernahm der Bonhoeffer-Verein Gelände und Gebäude vom Land im Rahmen einer Erbpacht. Er will das Hofgut zu einem Campus für Bildung, Betreuung und Naturerleben entwickeln und die 2020 gegründete Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule hier ansiedeln. Bereits in Betrieb ist der Wiesenkindergarten Kirschgartshausen, ein Naturkindergarten auf dem weitläufigen Gelände, in dem die Kinder die Jahreszeiten im Freien erleben und eigene Hühner versorgen. Die Einrichtung bietet verlängerte Öffnungszeiten von 7.30 bis 14.30 Uhr an und nimmt Kinder aus ganz Mannheim auf; als christliche Einrichtung gehört eine morgendliche Kinderandacht zum Tagesablauf. Der Verein sammelt Spenden für die Sanierung der historischen Substanz.

Die Versuchsanstalt von Südzucker besteht seit 1862 und forscht heute zu alternativem Pflanzenschutz, Biodiversität und Digitalisierung der Landwirtschaft. Das Land Baden-Württemberg nutzt einige Scheunen als Lager, unter anderem für Sandstein-Bauteile historischer Gebäude wie des Heidelberger Schlosses.

Sehenswert ist der Baubestand der Domäne. Am Ende der von Süden nach Norden parallel zur B 44 verlaufenden Straße steht das Herrenhaus, ein schlossartiger zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit mittelalterlichem Kern, Krüppelwalmdach, Dachreiter und doppelläufiger Freitreppe. Es diente zuletzt als Ausflugslokal und stand danach lange leer. Rechts davon liegt die ehemalige Verwaltung mit badischem Staatswappen und der Jahreszahl 1827, schräg gegenüber die Jugendstilvilla des Domänenverwalters von 1909. Beide Bauinschriften nennen Prinz Max von Baden, den späteren Reichskanzler. Weitere Bauten mit badischen Wappensteinen von 1822 und 1836 liegen westlich abseits des Weges. Weitere Bauten dieser Art in der Stadt versammelt die Übersicht der historischen Gebäude in Mannheim.

Westlich des Weilers liegen die Rheinauen. Dort plant das Regierungspräsidium Karlsruhe im Rahmen des Hochwasserschutzes am Oberrhein eine Rückverlegung des Rheindamms bei Kirschgartshausen, durch die der Fluss bei Hochwasser wieder mehr Raum in der Aue erhalten soll. Für Spaziergänger und Radfahrer sind die Deiche und Auwälder zwischen Scharhof, Kirschgartshausen und Lampertheim ein ruhiges Ziel.

Anfahrt

Kirschgartshausen erreichen Sie mit dem Auto über die B 44, an der der Weiler direkt westlich liegt. Von Mannheim kommend fahren Sie durch Sandhofen nach Norden Richtung Lampertheim; von der A 6 nutzen Sie die Anschlussstelle Mannheim-Sandhofen und wechseln auf die B 44 nach Norden. Aus Hessen ist Kirschgartshausen von Lampertheim aus die erste Ortslage hinter der Landesgrenze.

Mit dem Fahrrad ist der Weg vom Sandhofer Ortskern über den Scharhof und die Kirschgartshäuser Straße die naheliegende Route. Einen eigenen Halt der Straßenbahn oder Bahn gibt es in Kirschgartshausen nicht; die Straßenbahnlinie 3 der RNV endet im Ortskern von Sandhofen, der nächste S-Bahn-Halt ist Mannheim-Waldhof im Bezirk Waldhof. Von der Endstelle in Sandhofen sind es einige Kilometer zu Fuß oder mit dem Rad nach Norden.

Geschichte

Kirschgartshausen ist über 750 Jahre alt: 1272 wird der Ort als Husen erstmals urkundlich erwähnt, als Eberhard von Ehrenberg dem Kloster Schönau seine dortigen Weiden überließ. Der Pfalzgraf bei Rhein besaß hier eine Meierei, das Hochstift Worms ein Landgut.

1274 übertrugen die Herren von Ehrenberg ihren Lehensbesitz den Zisterzienserinnen des Klosters Kirschgarten in Worms, 1275 folgten Vogtei und Gericht. Das Kloster wurde damit größter Grundbesitzer und gab dem Ort seinen Namen. 1277 ist erstmals die Kapelle St. Gangolf genannt, von der heute nichts mehr erhalten ist. 1422 verkaufte das fast ausgestorbene Kloster seinen Besitz an Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz, der Kirschgartshausen mit seinem Hofgut vereinigte und befestigen ließ. Bis 1508 war die Kurpfalz alleiniger Besitzer, der Ort wurde kurpfälzisches Tafelgut. 1684 übertrug Kurfürst Karl II. das Gut dem Grafen Karl Ludwig zu Sayn-Wittgenstein, der sich fortan Herr zu Kirschgartshausen nannte und vor allem Mennoniten ansiedelte. 1768 fiel der Flecken an die Kurpfalz zurück.

1803 kam Kirschgartshausen zusammen mit Mannheim an Baden. Als letzte badische Siedlung vor der hessischen Grenze erhielt es eine Zollstation. 1804 übergab Kurfürst Karl Friedrich das Landgut als Staatsdomäne seinen Söhnen, den Grafen von Hochberg, die 1818 als Prinzen von Baden anerkannt wurden. 1827 wurde erstmals ein Stabhalter als Ortsvorsteher bestellt; die 1828 geplante eigene Ortsgemeinde kam jedoch nicht zustande. 1919 fiel die Domäne an die Republik Baden, später an das Land Baden-Württemberg. Verwaltungsmäßig gehörte der Ort unter der Kurpfalz zum Oberamt Heidelberg, in badischer Zeit zum Bezirksamt Ladenburg und ab 1864 zum Bezirksamt Mannheim. Im Oktober 1930 wurde Kirschgartshausen zusammen mit Sandtorf nach Mannheim eingemeindet; damals waren rund ein Drittel der Felder mit Kartoffeln und Zuckerrüben bestellt, der Rest mit Getreide. Mit der Übernahme durch den Bonhoeffer-Verein 2021 begann das jüngste Kapitel des Hofguts.

Häufige Fragen zu Kirschgartshausen

Zu welchem Stadtteil gehört Kirschgartshausen?

Kirschgartshausen gehört zum Stadtbezirk Sandhofen im Norden Mannheims, genauer zum statistischen Stadtteil Sandhofen-Nord. Die Postleitzahl ist 68307. Eingemeindet wurde der Weiler im Oktober 1930.

Was ist in Kirschgartshausen heute?

Auf dem Gelände der früheren Staatsdomäne betreibt der Dietrich-Bonhoeffer-Verein für christliche Pädagogik Mannheim einen Wiesenkindergarten und baut einen Bildungscampus auf. Südzucker unterhält dort seit 1862 eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt, das Land Baden-Württemberg nutzt Scheunen als Lager.

Wie kommt man nach Kirschgartshausen?

Kirschgartshausen liegt direkt westlich der B 44 zwischen Mannheim-Sandhofen und Lampertheim. Vom Scharhof führt die Kirschgartshäuser Straße nach Norden zum Weiler. Einen eigenen Bahn- oder Straßenbahnhalt gibt es nicht.

Woher kommt der Name Kirschgartshausen?

Der Ort hieß ursprünglich Husen. Als das Wormser Kloster Kirschgarten im 13. Jahrhundert größter Grundbesitzer wurde, stellte man dessen Namen voran. Mit Kirschen hat der Name also nichts zu tun.