Lage und Gliederung
Der Stadtbezirk Sandhofen liegt ganz im Norden Mannheims und besteht aus den zwei statistischen Stadtteilen Sandhofen und Sandhofen-Nord. Mit 26,71 Quadratkilometern ist er der flächengrößte der 17 Stadtbezirke; am 31. Dezember 2024 lebten hier 14.107 Menschen mit Hauptwohnung. Große Teile der Fläche sind Felder, Wald, Rheinauen und das Gelände der Coleman Barracks.
Sandhofen trägt in der Hauptsatzung der Stadt die Ordnungsnummer 06 und ist einer der elf äußeren Stadtbezirke. Er hat deshalb einen Bezirksbeirat mit zwölf Mitgliedern, die der Gemeinderat nach dem Ergebnis der Kommunalwahl bestellt, sowie ein eigenes Gemeindesekretariat für örtliche Verwaltungsaufgaben. Zum Vergleich: Mannheim hat insgesamt 328.647 Einwohner in 17 Stadtbezirken und 38 Stadtteilen.
Die Postleitzahl 68307 deckt den gesamten Bezirk ab, sie gilt aber ebenso für den Nachbarbezirk Schönau. Eine Übersicht aller Bezirke und Postleitzahlen finden Sie im Stadtteil-Hub.
Die Nachbarschaft ist ungewöhnlich, weil Sandhofen an zwei Bundesländer grenzt. Im Osten liegt die Schönau, im Süden trennt ein Altrheinarm den Bezirk von der Friesenheimer Insel, die zu Neckarstadt-West gehört. Auf der anderen Rheinseite im Westen liegt das rheinland-pfälzische Ludwigshafen mit dem BASF-Werk, im Norden das hessische Lampertheim. Kirschgartshausen ist die letzte Mannheimer Siedlung vor der hessischen Grenze. Im Südosten reicht der Bezirk an den Waldhof, im Nordosten an den Käfertaler Wald.
Die Autobahn A 6 teilt den Bezirk in zwei Hälften: Südlich liegt der alte Ortskern Sandhofen, nördlich liegen Scharhof, Sandtorf, Blumenau und Kirschgartshausen. Der statistische Stadtteil Sandhofen-Nord umfasst unter anderem die Blumenau, die Coleman Barracks und Kirschgartshausen.
Geschichte in Kürze
Sandhofen ist älter als Mannheim: Der Scharhof wurde 764 im Lorscher Codex erwähnt, zwei Jahre vor der ersten Nennung Mannheims, und Sandhofen selbst erscheint 888 als Sunthove in den Urkunden. Als Stadtteil gehört es erst seit 1913 zu Mannheim.
Der Scharhof blieb bis ins 16. Jahrhundert die Muttergemeinde Sandhofens. Beide Orte gehörten zunächst zum Kloster Lorsch, bis Pfalzgraf Rudolf die Ortsherrschaft 1300 an das Kloster Schönau verkaufte. Das nördlich gelegene Kirschgartshausen war eine Gründung des Hochstifts Worms; es fiel 1275 an das Wormser Kloster Kirschgarten, dessen Nonnen dort ein Gut mit der Kapelle St. Gangolf betrieben und den Besitz 1422 an die Kurpfalz verkauften. Ende des 15. Jahrhunderts zählte Sandhofen etwa 240 Einwohner. Mit der Verlegung des Friedhofs wurde es 1587 selbständig. Der Dreißigjährige Krieg zerstörte den Ort 1621 und 1634 und entvölkerte ihn fast vollständig, im Pfälzischen Erbfolgekrieg folgte 1689 eine weitere Zerstörung. Bis 1727 wuchs die Bevölkerung wieder auf 320 Menschen. Östlich des Scharhofs versuchte die Kurpfalz, Sand und Torf aus einem verlandeten Rheinarm abzubauen; daraus entstand ab 1786 der Gemarkungsname Sandtorf.
Mit dem Ende der Kurpfalz kamen die Orte zu Beginn des 19. Jahrhunderts an Baden. 1810 baute Sandhofen sein Rathaus, 1852 lebten hier 1.540 Menschen. Die Rheinkorrektur nach den Plänen Tullas schuf 1862 die Friesenheimer Insel, deren bis dahin bayerische Gemarkung Sandhofen zugeschlagen wurde. Ab 1879 trennte die Riedbahn Sandtorf von den übrigen Orten, 1884 siedelte sich die Zellstofffabrik am Altrhein an, 1895 trat Sandhofen die Friesenheimer Insel an Mannheim ab. 1899 gemeindete Sandhofen den Scharhof ein, 1913 wurde es selbst nach Mannheim eingemeindet. 1920 erreichte die Straßenbahn die Zellstofffabrik, 1922 den Ortskern. 1930 kamen Kirschgartshausen und Sandtorf zu Mannheim. Ab 1933 legte der Reichsarbeitsdienst den Bruch westlich der Bahnlinie trocken; die dort zwischen 1934 und 1938 gebauten Siedlungshäuser bildeten den Kern der Blumenau.
Nördlich von Sandhofen entstand ab 1935 ein Fliegerhorst der Luftwaffe, der 1938 eingeweiht wurde. Im September 1944 richteten die Nationalsozialisten in Sandhofen ein Außenlager des KZ Hinzert und eine Außenstelle des KZ Natzweiler-Struthof ein. Die Häftlinge, darunter über 1.000 polnische Männer und Jugendliche, die nach dem Warschauer Aufstand verschleppt worden waren, mussten bei Daimler-Benz, BBC und Lanz Zwangsarbeit leisten. Untergebracht waren sie mitten im Wohngebiet in der damaligen Friedrichschule, der heutigen Gustav-Wiederkehr-Schule. Nach 1945 übernahm die US-Armee den Fliegerhorst und baute ihn ab 1951 zu den Coleman Barracks aus.
Die 1939 begonnene und nach dem Krieg vollendete Autobahn trennt seither den Ortskern von den nördlichen Ortslagen. 1952 wurde die B 44 eröffnet, 1964 die Altrheinbrücke zur Friesenheimer Insel. Ein 1972 geplantes Kernkraftwerk wurde 1980 aufgegeben. 1988 feierte Sandhofen sein 1100-jähriges Bestehen.
Charakter und Wohnen
Sandhofen ist ein Bezirk mit dörflichem Kern, umgeben von Feldern, Rheinauen und großen Sondernutzungen wie der Kaserne und dem Käfertaler Wald. Wer hier wohnt, lebt am Stadtrand mit viel Freiraum, aber mit Straßenbahnanschluss in die Innenstadt.
Der Ortskern erzählt seine Geschichte in den Straßennamen: Kirchgasse, Obergasse, Untergasse, Hintergasse, Ziegelgasse oder Deutsche Gasse gehören zum alten Dorf, während Juteweg, Fadenweg, Garnstraße, Flachsstraße, Hanfstraße, Spinnereistraße und Webereistraße an die Jutekolonie erinnern, die Arbeitersiedlung der Jutespinnerei um 1900. Ein weiteres Quartier trägt Vogelnamen wie Amselstraße, Falkenstraße, Kranichweg oder Zaunkönigweg. Straßen wie Bürstadter Straße, Lorscher Straße, Bibliser Straße oder Gernsheimer Straße verweisen auf die hessischen Nachbarorte im Ried.
Die Nahversorgung ist gut: Entlang der Schönauer Straße reihen sich viele kleine Läden, dazu kommen Restaurants im Ort. Für die Kinderbetreuung stehen sieben Kindertagesstätten zur Verfügung. Das Vereinsleben ist rege; zu den bekannten Vereinen gehören die Spielvereinigung Sandhofen und der Boule Club Sandhofen. Kulturelle Höhepunkte sind die Lange Nacht der Kunst und Genüsse und das Mundart-Theater. Aus Sandhofen stammt die Kanutin Carolin Leonhardt, Olympiasiegerin von 2004.
Größter Arbeitgeber im Umfeld ist die Industrie am Altrhein: Aus der Zellstofffabrik von 1884 ging der heutige Standort von Essity hervor, und das Industriegebiet zwischen Sandhofen und Schönau teilt sich Essity mit Roche Diagnostics. Auf der anderen Rheinseite liegt das Werk der BASF in Ludwigshafen.
Quartiere und Ortslagen
Zum Bezirk gehören der Ortskern Sandhofen südlich der Autobahn und die vier nördlichen Ortslagen Scharhof, Sandtorf, Blumenau und Kirschgartshausen. Die Straßen der einzelnen Gebiete finden Sie im Straßenlexikon.
Sandhofen
Der Ortskern ist das Zentrum des Bezirks mit dem Rathaus von 1810, den drei Kirchen, dem Heimatmuseum und der Einkaufsstraße Schönauer Straße. Die evangelische Dreifaltigkeitskirche stammt von 1854, die katholische Kirche St. Bartholomäus entstand 1896 nach Plänen von Ludwig Maier als erste von zehn repräsentativen Kirchen, die er in Mannheim baute. Nach der Teilung der evangelischen Pfarrei kam 1969 die moderne Jakobuskirche hinzu; außerdem gibt es eine Neuapostolische Kirche. Der Sandhofer Bunker beherbergt seit 2011 das Zeitgeschichtliche Museum Mannheim.
Scharhof
Der Scharhof liegt nördlich der Autobahn Richtung Rhein und ist die älteste Siedlung im Bezirk: 764 im Lorscher Codex erwähnt, bis ins 16. Jahrhundert Muttergemeinde Sandhofens und 1899 nach Sandhofen eingemeindet. Straßennamen wie Hofgasse, Hofgewannstraße, Kellereistraße und Stabhalterstraße verweisen auf den Hof und seine Verwaltung; die Scarrastraße greift den alten Namen Schar auf. Von hier führt die Kirschgartshäuser Straße nach Norden zum Weiler Kirschgartshausen. Östlich des Scharhofs liegt die Gemarkung Sandtorf, deren Name auf den kurpfälzischen Sand- und Torfabbau ab 1786 zurückgeht.
Blumenau
Die Blumenau ist eine Siedlung westlich der Riedbahn, die ab 1934 auf dem trockengelegten Bruch entstand. Ihren Namen hat sie von einer Gärtnerei mit Ausflugsrestaurant, die dort schon 1911 eröffnet hatte. Die ersten mehr als 50 Siedlungshäuser bildeten den Kern, nach dem Krieg wuchs die Siedlung weiter. Die evangelische Jonakirche entwarf 1962 der Mannheimer Architekt Helmut Striffler, der auch die Gethsemanekirche in Waldhof-Ost baute. Die Straßen tragen Namen aus dem Harz: Brockenweg, Goslarer Weg, Clausthaler Ring, Wernigeroder Weg oder Quedlinburger Weg. Ein Haltepunkt Mannheim-Blumenau an der Riedbahn bestand früher, ist aber aufgelassen. Nördlich der Blumenau liegen die Coleman Barracks.
Kirschgartshausen
Kirschgartshausen ist ein Weiler mit etwa einem Dutzend Gebäuden westlich der B 44 zwischen Sandhofen und Lampertheim, nur wenige hundert Meter vor der hessischen Grenze. Der Ort geht auf ein Gut des Klosters Kirschgarten in Worms zurück, war später kurpfälzisches Tafelgut und ab 1804 badische Staatsdomäne. Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, die Verwaltung von 1827 und die Verwaltervilla von 1909 stehen noch. Seit 2021 entwickelt der Dietrich-Bonhoeffer-Verein für christliche Pädagogik das Gelände zu einem Bildungscampus mit Wiesenkindergarten. Alle Details, Anfahrt und Geschichte finden Sie auf der eigenen Seite zu Kirschgartshausen.
Sehenswürdigkeiten und Freizeit
Die wichtigsten Ziele in Sandhofen sind die KZ-Gedenkstätte, das Heimatmuseum, das Zeitgeschichtliche Museum im Bunker, die Kirchen von Ludwig Maier und Helmut Striffler sowie die Rheinauen und der Käfertaler Wald. Weitere Ziele in der ganzen Stadt listet die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Mannheim.
Die KZ-Gedenkstätte Sandhofen in der Gustav-Wiederkehr-Schule erinnert seit dem 12. November 1990 an das Außenkommando des KZ Natzweiler. Sie war die erste Gedenkstätte für eines der Natzweiler-Außenlager in Deutschland und Frankreich und geht auf das Engagement des Stadtjugendrings und des DGB zurück, die ab 1978 an die vergessene Geschichte erinnerten. Das Heimatmuseum Sandhofen ist seit 1980 in den früheren Wohnräumen der katholischen und evangelischen Kinderschulschwestern untergebracht. Das 2011 eröffnete Zeitgeschichtliche Museum Mannheim dokumentiert im ehemaligen Sandhofener Bunker die beiden Weltkriege und die Geschichte der US-Garnison Mannheim.
Für Freunde historischer Architektur lohnen sich das Rathaus von 1810, die Dreifaltigkeitskirche von 1854, St. Bartholomäus von 1896 und in Kirschgartshausen das Herrenhaus und die Verwaltervilla. Mehr dazu in der Sammlung historischer Gebäude in Mannheim.
Am Rhein und am Altrhein liegen Auen und Deiche, die sich zum Spazieren und Radfahren eignen; im Nordosten des Bezirks beginnt der Käfertaler Wald, der größte Wald Mannheims. Sportlich prägen die Spielvereinigung Sandhofen und der Boule Club Sandhofen den Bezirk. Ein eigenes Schwimmbad gibt es in Sandhofen nicht; alle Bäder der Stadt finden Sie unter Schwimmbäder in Mannheim.
Verkehr und Anbindung
Sandhofen ist mit der Straßenbahnlinie 3 der RNV, der Anschlussstelle Mannheim-Sandhofen der A 6 und der B 44 angebunden. Die Straßenbahn fährt seit 1922 bis in den Ortskern und verbindet Sandhofen ohne Umsteigen mit der Innenstadt.
Für den Autoverkehr ist die A 6 am Südrand der nördlichen Ortslagen die wichtigste Verbindung: nach Westen über die Rheinbrücke nach Frankenthal und Ludwigshafen, nach Osten zum Autobahnkreuz Viernheim. Die B 44 führt von Mannheim durch den Bezirk nach Norden über Lampertheim Richtung Groß-Gerau und Frankfurt; Kirschgartshausen liegt direkt westlich neben ihr. Die Frankenthaler Straße verbindet den Ortskern mit der Schönau und dem Waldhof, die Sandhofer Straße führt nach Süden. Über die Altrheinbrücke von 1964 ist die Friesenheimer Insel erreichbar.
Einen Personenbahnhof hat der Bezirk nicht. Die Riedbahn nach Frankfurt durchquert Sandhofen zwischen Blumenau und Ortskern, der frühere Haltepunkt Mannheim-Blumenau ist aufgelassen. Der nächste S-Bahn-Halt ist Mannheim-Waldhof im Nachbarbezirk.
Einkaufen und Alltag
Die Einkaufsstraße des Bezirks ist die Schönauer Straße im Ortskern mit vielen kleinen Läden und Restaurants. Die nördlichen Ortslagen Scharhof, Blumenau und Kirschgartshausen sind für den Einkauf auf den Ortskern oder die Nachbarbezirke angewiesen.
Behördliches erledigen Sie im Gemeindesekretariat des Bezirks. Für Kinder gibt es sieben Kindertagesstätten und die Sandhofen-Schule, deren Neubau 1964 eingeweiht wurde, für Familien die Angebote der Vereine und der Kirchengemeinden. Die Volksbank Sandhofen, die 2011 ihr 125-jähriges Bestehen feierte, gehört zu den ältesten Institutionen im Ort; weitere Bankfilialen in der Umgebung finden Sie in der Übersicht Banken in Mannheim. Termine für Trödel und Second-Hand stehen in den Flohmärkten in Mannheim. Wer Besuch erwartet, findet Unterkünfte in der Hotelübersicht.