Lage und Gliederung
Der Stadtbezirk Lindenhof liegt unmittelbar südlich der Mannheimer Innenstadt am Rhein und besteht aus dem einzigen Stadtteil Lindenhof. Mit 13.724 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) auf 2,34 Quadratkilometern gehört er zu den sechs inneren Stadtbezirken und trägt die amtliche Ordnungsziffer 05.
Die Postleitzahl für den gesamten Bezirk lautet 68163. Der Zuschnitt ist annähernd dreieckig: Im Norden und Nordosten bilden der Hauptbahnhof und die Bahngleise die Grenze zur Innenstadt und zur Schwetzingerstadt. Im Süden schließen die Stadtteile Niederfeld und Almenhof an, die beide zum Bezirk Neckarau gehören. Die Westgrenze markiert der Rhein, auf dem gegenüberliegenden Ufer liegt Ludwigshafen.
Nach Fläche ist Lindenhof einer der kleinsten Bezirke Mannheims, nach Einwohnerdichte aber einer der dichter besiedelten. Eine Übersicht aller 17 Bezirke und 38 Stadtteile finden Sie im Stadtteil-Hub.
Geschichte in Kürze
Lindenhof entstand ab den 1890er Jahren als bürgerliches Wohngebiet auf ehemaligem Gutsland südlich der Bahn, nachdem das Gebiet zuvor landwirtschaftlich und ab 1870 industriell genutzt worden war. Die Wurzeln reichen jedoch deutlich weiter zurück.
Bereits 1353 begann am Rhein der Bau der Zollburg Eichelsheim, die den Schiffsverkehr kontrollierte. Zwischen 1416 und 1419 saß dort der Gegenpapst Johannes XXIII. als Gefangener. Die Burg wurde 1633 von schwedischen Truppen gesprengt, wieder aufgebaut und im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 endgültig zerstört. Heute erinnert nur ein Gedenkstein am Stephanienufer an sie. Das Ufer trägt den Namen von Stéphanie de Beauharnais, Adoptivtochter Napoleons und Großherzogin von Baden, die sich als Bewohnerin des Mannheimer Schlosses für die Gestaltung von Schlossgarten und Rheinufer eingesetzt hatte.
Im 18. und 19. Jahrhundert lagen hier landwirtschaftliche Güter, darunter der namensgebende Lindenhof. Straßennamen wie Rennershofstraße und Gontardstraße erinnern an diese Höfe. Ab 1870 siedelten sich Fabriken an: eine Stärkefabrik nahe dem Rhein, eine chemische Fabrik am heutigen Meeräckerplatz, 1879 das Gaswerk Lindenhof und ab 1888 im Osten der Landmaschinenhersteller Lanz, dessen Werk 1956 an John Deere überging.
Die Wende zum Wohnviertel kam, als Friedrich Engelhorn 1890 große Flächen erwarb. Ende 1891 begann die Erschließung des Gontardschen Guts, die Bebauung wanderte von Norden nach Süden und erreichte um 1906 die Emil-Heckel-Straße. Bis dorthin wurde auch die Straßenbahn über Windeckstraße und Waldparkstraße verlängert. Ab 1910 folgten die Gewanne Meerfeld und Meeräcker. 1907 ging das von der Familie Lanz gestiftete Heinrich-Lanz-Krankenhaus in der Meerfeldstraße in Betrieb. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Stadtteil zu rund 80 Prozent zerstört, der Nordteil ist deshalb heute von mehrgeschossigen Wohnanlagen des Wiederaufbaus geprägt. Ein eigenes Stadtteilwappen führt Lindenhof erst seit September 2010.
Charakter und Wohnen
Lindenhof gilt als bürgerliches, ruhiges Wohnviertel mit kurzen Wegen in die Innenstadt und direktem Zugang zum Rheinufer. Diese Kombination aus zentraler Lage und Grün am Wasser prägt den Bezirk stärker als alles andere.
Das Straßenbild ist zweigeteilt. Im Norden, nahe Hauptbahnhof und Lindenhofplatz, dominieren mehrstöckige Wohnanlagen aus der Nachkriegszeit, dazwischen stehen erhaltene Gründerzeithäuser. Weiter südlich, etwa rund um den Meeräckerplatz und im sogenannten Schwarzwaldviertel mit Straßen wie Schwarzwaldstraße, Feldbergstraße oder Belchenstraße, wird die Bebauung kleinteiliger und grüner. Die Rheinfront mit Rheinpromenade und Rheinvillenstraße ist die einzige geschlossene Wohnbebauung Mannheims direkt am Strom.
Der jüngste Baustein ist das Glückstein-Quartier entlang der Glücksteinallee zwischen Hauptbahnhof und Südtangente. Dort entsteht seit den 2010er Jahren ein gemischtes Quartier aus Wohnungen, Büros und Dienstleistungen, mit dem Victoria-Turm als weithin sichtbarem Hochhaus. Wer hier wohnt, erreicht den Hauptbahnhof in wenigen Gehminuten.
Das Vereinsleben ist lebendig. Die Bürgerinteressengemeinschaft BIG Lindenhof bewirtschaftet die Lanz-Kapelle und organisiert das jährliche Lanzpark-Fest. Im Stadtteil sind außerdem der Fußballverein MFC 08 Lindenhof, ein Kanu-Club und der größte Schachverein Mannheims zu Hause.
Quartiere und Ortslagen
Rund um den Lindenhofplatz
Der Lindenhofplatz ist der Mittelpunkt des nördlichen Bezirks. Von hier führen die Lindenhofstraße und die Meerfeldstraße nach Süden, die Tunnelstraße verbindet unter den Gleisen hindurch mit der Innenstadt. Im Umfeld liegen Geschäfte, Gastronomie und Haltestellen der Stadtbahn. Die Johanniskirche und die Kirche St. Josef gehören mit ihren Türmen zu den Wahrzeichen des Stadtteils.
Stephanienufer und Rheinpromenade
Entlang des Rheins verläuft die Promenade des Stephanienufers, die im Süden in den Waldpark übergeht. Hier liegen die Mannheimer Jugendherberge, der Gedenkstein für die Burg Eichelsheim und die Rheinwiesen, die im Sommer zum beliebtesten Aufenthaltsort des Bezirks werden. Rheinpromenade und Rheinvillenstraße bilden die Wohnadressen mit Flussblick.
Glückstein-Quartier
Zwischen Hauptbahnhof, Bahngleisen und Südtangente wächst das Glückstein-Quartier. Die Südtangente wurde 2013 an die Gleise verlegt, um Platz für die neue Bebauung zu schaffen. Adressen wie Glücksteinallee, Hans-Glückstein-Platz und Am Victoria Turm gehören zu diesem jüngsten Teil des Bezirks.
Lanz-Areal und John Deere
Im Osten des Bezirks liegt das Werksgelände von John Deere, das aus dem früheren Lanz-Werk hervorging und heute die Europazentrale des Konzerns sowie die größte Traktorenfabrik Europas beherbergt. Der Lanzturm, ein ehemaliger Wasserturm, ist der dritte Turm im Wahrzeichen-Trio des Stadtteils. An der Nordostecke des Geländes zeigt das John-Deere-Forum seit 2007 historische und moderne Landmaschinen. Der benachbarte Lanz-Park mit der 2001 versetzt wieder aufgebauten Lanz-Kapelle ist ein Ort für Begegnung und Feste.
Schwarzwaldviertel und Meeräcker
Der südliche Lindenhof zwischen Meeräckerplatz und der Grenze zum Niederfeld wurde ab 1910 erschlossen. Die Straßen tragen Namen von Bergen aus Schwarzwald und Pfalz, etwa Kalmitstraße, Hornisgrindestraße oder Kniebisstraße. Das Viertel ist ruhig, kleinteilig und liegt nahe an Waldpark und Rheinufer.
Sehenswürdigkeiten und Freizeit
Die wichtigsten Anziehungspunkte sind das Rheinufer mit Stephanienufer und Waldpark, die drei Türme von Johanniskirche, St. Josef und Lanzturm sowie das John-Deere-Forum. Dazu kommt der Victoria-Turm als mit 97,5 Metern höchstes Bauwerk des Stadtteils.
Der historische Lehrpfad Lindenhof erklärt mit fünf Informations- und 33 Themenschildern die Geschichte des Viertels an den Originalschauplätzen. Wer weiter läuft, erreicht über den Waldparkdamm die Reißinsel und das Strandbad, die bereits zum Niederfeld gehören. Mehr zu Bade- und Ausflugsmöglichkeiten finden Sie auf der Seite Schwimmbäder in Mannheim, weitere Ziele in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten. Denkmäler und Kirchen des Bezirks sind auch im Verzeichnis der historischen Gebäude aufgeführt.
Verkehr und Anbindung
Lindenhof ist über den nördlich gelegenen Hauptbahnhof an S-Bahn, Regional- und Fernverkehr angeschlossen und wird innerhalb Mannheims von der Stadtbahnlinie 3 sowie einer Stadtbuslinie erschlossen. Damit gehört der Bezirk zu den am besten angebundenen Wohnlagen der Stadt.
Weil die Bahngleise Lindenhof von der Innenstadt trennen, spielen die Querungen eine große Rolle. Die Tunnelstraße, im Volksmund Suezkanal genannt, führt seit den 1870er Jahren unter den Gleisen hindurch. 1897 kam die Lindenhofüberführung über die Rampe zwischen Hauptbahnhof und Schloss hinzu, die 1982 neu gebaut und 1995 um eine zweite Brücke für Stadtbahn und Autoverkehr ergänzt wurde. Der Neckarauer Übergang, zuletzt 2009 erneuert, verbindet den Bezirk mit der Südtangente. Die Südtangente (B 36) entlastet die Innenstadt und führt nach Ludwigshafen sowie in den Osten Mannheims. Mehrere Carsharing-Stationen ergänzen das Angebot. Alle Straßennamen mit ihrer Herkunft finden Sie im Straßenlexikon.
Einkaufen und Alltag
Für den täglichen Bedarf sorgen Geschäfte in den Straßen rund um den Lindenhofplatz, größere Einkäufe erledigen viele Bewohner in der nahen Innenstadt. Der Weg über die Lindenhofüberführung zu den Quadraten dauert zu Fuß nur wenige Minuten.
Ärzte, Apotheken, Kindertagesstätten und Schulen sind im Bezirk vorhanden. Das Diakonissenkrankenhaus, in das das frühere Heinrich-Lanz-Krankenhaus integriert wurde, liegt direkt südlich im Niederfeld. Bankfilialen in der Umgebung listet die Seite Banken in Mannheim. Termine für Trödel- und Krammärkte finden Sie unter Flohmärkte in Mannheim, die Adventszeit am Wasserturm beschreibt die Seite Weihnachtsmarkt Mannheim. Übernachtungsmöglichkeiten in Bahnhofsnähe zeigt die Übersicht der Hotels.