Lage und Gliederung
Der Stadtbezirk Schönau liegt im Nordwesten Mannheims und besteht aus den zwei statistischen Stadtteilen Schönau-Nord und Schönau-Süd. Am 31. Dezember 2024 hatte der Bezirk 12.682 Einwohner mit Hauptwohnung auf einer Fläche von 2,97 Quadratkilometern und zählt damit zu den kleineren äußeren Bezirken der Stadt.
Schönau trägt in der Hauptsatzung der Stadt die Ordnungsnummer 07 und ist einer der elf äußeren Stadtbezirke. Wie alle äußeren Bezirke hat er einen Bezirksbeirat mit zwölf Mitgliedern, die der Gemeinderat nach dem Ergebnis der Kommunalwahl bestellt, sowie ein eigenes Gemeindesekretariat für örtliche Verwaltungsaufgaben. Zum Vergleich: Mannheim hat insgesamt 328.647 Einwohner in 17 Stadtbezirken und 38 Stadtteilen.
Die Postleitzahl 68307 deckt den gesamten Bezirk ab. Sie gilt allerdings auch für den Nachbarbezirk Sandhofen, so dass eine Adresse mit 68307 allein noch nicht verrät, ob sie auf der Schönau oder in Sandhofen liegt. Eine Übersicht aller Bezirke und Postleitzahlen finden Sie im Stadtteil-Hub.
Die Grenzen des Bezirks sind klar ablesbar: Im Norden verläuft die Autobahn A 6, im Osten der Rangierbahnhof Mannheim-Waldhof an der Riedbahn nach Frankfurt, im Südwesten die Frankenthaler Straße. Nach Westen geht das Siedlungsgebiet in landwirtschaftliche Flächen über. Im Südwesten, Westen und Norden grenzt Schönau an den Bezirk Sandhofen, im Osten und Süden an den Waldhof. In der näheren Umgebung liegen im Norden die Coleman Barracks der US-Armee und die Siedlung Blumenau, im Osten der Käfertaler Wald, im Südosten die Gartenstadt und im Südwesten das Industriegebiet von Roche Diagnostics und Essity.
Die Trennlinie zwischen den beiden Stadtteilen ist die Memeler Straße. Nördlich davon liegt Schönau-Nord, südlich Schönau-Süd. Beide Stadtteile sind fast vollständig Wohngebiet, aufgelockert durch Straßenbäume und Freiflächen.
Geschichte in Kürze
Die Schönau ist ein junger Stadtbezirk: Die Besiedlung begann erst 1913, planmäßig gebaut wurde ab den 1930er Jahren, und als eigenständiger Stadtteil gilt die Schönau seit 1953. Das Gebiet gehörte ursprünglich zur Gemarkung Sandhofen.
Den Anfang machte die Luftschiffindustrie. 1913 entstand hier die Werft von Schütte-Lanz mit einer Luftschifferkaserne und einer Luftschiffhalle, in der die Schütte-Lanz-Luftschiffe gebaut wurden. Straßennamen wie Lilienthalstraße, Johann-Schütte-Straße, Parsevalstraße, Eckenerstraße oder Ballonstraße erinnern bis heute daran, ebenso die Luftschifferstraße im benachbarten Sandhofen. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden erste Notwohnungen.
Der Name geht auf die Evangelische Pflege Schönau zurück, der das Gelände bis Mitte der 1930er Jahre gehörte. Diese Stiftung wiederum führt sich auf das Zisterzienserkloster Schönau im Odenwald zurück, das 1558 aufgelöst wurde. Nachdem die Stadt Mannheim das Areal erworben hatte, begann die planmäßige Bebauung: Zwischen 1936 und 1941 entstanden 600 sogenannte Volkswohnungen, die die Nationalsozialisten als Vorzeigeprojekt betrachteten. Der Erfolg dieser Propaganda blieb allerdings begrenzt, denn auf der Schönau gab es eine aktive Widerstandszelle gegen das Regime.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Stadtteil stark. Nördlich der Volkswohnungen entstand eine neue Siedlung, in die viele Flüchtlinge und Vertriebene aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern und Ungarn zogen. Die Straßen erhielten deshalb Namen von Städten und Flüssen der ehemaligen deutschen Ostgebiete wie Posen, Kattowitz, Königsberg oder Memel. Zwischen 1953 und 1963 stieg die Einwohnerzahl rasch an. 1953 wurde die Schönau offiziell zum eigenständigen Stadtteil erhoben, 1964 verlängerte die Stadt die Straßenbahn vom Waldhof bis auf die Schönau.
Ab 1983 wurde das Neubaugebiet Nordost auf einem Areal bebaut, das die US-Armee freigegeben hatte. Ein dunkles Kapitel folgte im Mai und Juni 1992, als es wegen der Unterbringung von Flüchtlingen in der inzwischen abgerissenen Gendarmeriekaserne zu tagelangen Unruhen kam. Die Ereignisse sind wissenschaftlich aufgearbeitet und prägten das Bild des Bezirks über Jahre.
Charakter und Wohnen
Die Schönau ist ein grüner, fast ausschließlich von Wohnbebauung geprägter Bezirk mit drei deutlich unterscheidbaren Bauabschnitten: Siedlungshäusern im Süden, einem Neubaugebiet im Nordosten und Wohnblocks mit Sozialwohnungen im Nordwesten. Diese Mischung erklärt sowohl den dörflichen Eindruck vieler Straßen als auch das Imageproblem, mit dem der Bezirk lange zu kämpfen hatte.
Im Süden dominieren die kleinen Siedlungshäuser der 1930er Jahre und Ein- und Zweifamilienhäuser mit Gärten. In Schönau-Nord überwiegen Mehrfamilienhäuser, kleinere Wohnblocks und sozialer Wohnungsbau, dazwischen stehen nur wenige Einfamilienhäuser. Das Neubaugebiet Nordost aus den 1980er Jahren bildet den dritten Typ. Bäume entlang der Straßen und Freiflächen zwischen den Zeilen lockern die Bebauung überall auf, und der Käfertaler Wald liegt direkt vor der Haustür.
Das soziale Leben tragen die Vereine: Über 30 von ihnen haben sich in einer Dachorganisation der Schönauer Vereine zusammengeschlossen. Aus diesem Engagement entstand unter anderem das Bunkermuseum. Für Familien ist die Infrastruktur dicht: 13 Kindertagesstätten, zwei Grundschulen, eine Gemeinschaftsschule und ein Gymnasium liegen im Bezirk, dazu das Jugendhaus Schönau. Im Rahmen der sogenannten Schönauer Rochade wurden alle Schulen des Bezirks saniert, umgebaut oder neu errichtet. Die Schönauschule und die Hans-Christian-Andersen-Schule sind die beiden Grundschulen, die Kerschensteinerschule ist Gemeinschaftsschule mit Ganztagsbetrieb, und am Johanna-Geissmar-Gymnasium betreibt die Stadtbibliothek Mannheim eine Zweigstelle.
Arbeitsplätze gibt es vor allem am westlichen Rand: Im Gewerbegebiet an der Königsberger Allee ist der Sensorhersteller Pepperl+Fuchs der größte Arbeitgeber. Im Südosten liegt das Boehringer Dreieck mit Gebäuden von Roche und kleineren Betrieben.
Quartiere und Ortslagen
Der Bezirk besteht aus den zwei Stadtteilen Schönau-Nord und Schönau-Süd, die entlang der Memeler Straße geteilt sind; dazu kommt das Boehringer Dreieck als eigenständiges Sport- und Gewerbegebiet. Die Straßen der einzelnen Gebiete finden Sie im Straßenlexikon.
Schönau-Nord
Schönau-Nord ist der dichter bebaute Teil des Bezirks. Östlich der Königsberger Allee stehen fast ausschließlich Wohnhäuser, überwiegend Mehrfamilienhäuser, kleinere Wohnblocks und Sozialwohnungen. Im Zentrum des Stadtteils liegen ein Schul- und Kirchenzentrum, Einkaufsmöglichkeiten und die Wendeschleife der Straßenbahn-Endstelle. Am Nordrand entlang der A 6 schließen sich Sportplätze und Kleingartenanlagen an. Am Ostrand trennt ein Waldstreifen die Wohnbebauung vom Rangierbahnhof; einige Häuser gegenüber dem Waldstreifen sind formal als Gewerbegebiet ausgewiesen, wirken aber wie normale Wohnstraßen. Im Osten gibt es ein zweites Schulzentrum mit Einkaufsmöglichkeiten.
Westlich der Königsberger Allee folgen im Norden eine weitere Kleingartenanlage, dann ein Umspannwerk und das Gewerbegebiet mit Pepperl+Fuchs. Noch weiter westlich reichen landwirtschaftliche Flächen bis zur Grenze nach Sandhofen. Das evangelische Stephanuszentrum von 1967 mit seinem 1993 ergänzten Glockenturm steht in Schönau-Nord. Typische Straßennamen sind Danziger Baumgang, Tilsiter Straße, Stettiner Straße oder Allensteiner Weg.
Schönau-Süd
Schönau-Süd ist der ältere und lockerer bebaute Teil. Auch hier stehen östlich der Königsberger Allee einige Wohnblocks, deutlich häufiger aber Ein- und Zweifamilienhäuser mit Gärten, darunter die Siedlungshäuser aus der Zeit der Volkswohnungen. Die zentrale Verkehrsachse ist die Kattowitzer Zeile mit der Straßenbahn, an der wie im Norden Schulen, Kirchen und Läden liegen. Im Osten setzt sich der Rangierbahnhof fort.
Die evangelische Emmauskirche von 1953 und die katholische Gut-Hirten-Kirche, deren Turm 1959 fertig wurde, gehören zu Schönau-Süd. Westlich der Königsberger Allee setzt sich das Gewerbegebiet aus dem Norden fort, dahinter liegen wieder Felder. Zu den Straßennamen zählen hier die Lilienthalstraße, die Gondelstraße, die Ballonstraße und der Gondelplatz, die an die Luftschiffzeit erinnern.
Boehringer Dreieck
Das Boehringer Dreieck liegt im Südosten des Bezirks und ist durch eine Eisenbahn-Stichstrecke Richtung Essity vom Wohngebiet abgetrennt. Es ist ein Sport- und Gewerbegebiet mit Gebäuden von Roche, einigen kleineren Betrieben und Sportanlagen. Hier hat auch der TV 1877 Waldhof sein Vereinsheim, obwohl der Verein seinen Namen vom Nachbarbezirk hat. Die Boehringerstraße verweist auf die frühere Firma Boehringer Mannheim, aus der Roche Diagnostics hervorging.
Sehenswürdigkeiten und Freizeit
Die wichtigsten Ziele auf der Schönau sind das Bunkermuseum, die drei Nachkriegskirchen und der Käfertaler Wald direkt hinter dem Rangierbahnhof. Weitere Ziele in der ganzen Stadt listet die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Mannheim.
Das 2005 eröffnete Bunkermuseum war das erste Bunkermuseum Baden-Württembergs und ist ein Ergebnis des bürgerschaftlichen Engagements im Bezirk. Es zeigt, wie Luftschutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet waren, und dokumentiert damit einen Teil der Stadtgeschichte, der sonst kaum sichtbar ist. Wer sich für Bauten der Nachkriegszeit interessiert, findet mit der Emmauskirche von 1953, der Gut-Hirten-Kirche von 1959 und dem Stephanuszentrum von 1967 drei Kirchen, die den Aufbau des Bezirks in drei Jahrzehnten abbilden. Mehr dazu in der Sammlung historischer Gebäude in Mannheim.
Östlich der Riedbahn beginnt der Käfertaler Wald, der größte Wald Mannheims und das Naherholungsgebiet der Schönauer. Das Landschaftsschutzgebiet mit Kiefern- und Mischwald auf alten Dünen ist von der Schönau aus zu Fuß und mit dem Rad erreichbar. Sportlich ist der Bezirk mit dem TSV 47 Mannheim-Schönau als örtlichem Fußballverein und den Sportplätzen am Nordrand entlang der A 6 gut aufgestellt. Aus der Schönau stammen mehrere bekannte Sportler, darunter die Leichtathletin Helga Klein, Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 1952, und der Fußballer Uwe Rahn, Vizeweltmeister von 1986.
Ein eigenes Schwimmbad gibt es im Bezirk nicht; die nächsten Bäder liegen im Nachbarbezirk Waldhof. Alle Bäder der Stadt finden Sie unter Schwimmbäder in Mannheim.
Verkehr und Anbindung
Die Schönau ist mit der Straßenbahn, über die A 6 und über die Frankenthaler Straße angebunden. Die Straßenbahn erreichte den Bezirk 1964 als Verlängerung der Strecke vom Waldhof. Sie führt über die Kattowitzer Zeile durch Schönau-Süd und endet an der Wendeschleife im Zentrum von Schönau-Nord. Über die Endstelle ist der Bezirk direkt mit dem Waldhof, der Neckarstadt und der Innenstadt verbunden.
Für den Autoverkehr ist die A 6 am Nordrand die wichtigste Verbindung. Die Anschlussstelle Mannheim-Sandhofen liegt direkt vor der Haustür und verbindet die Schönau mit dem Autobahnkreuz Viernheim im Osten und über die Rheinbrücke mit Frankenthal und Ludwigshafen im Westen. Die Frankenthaler Straße im Südwesten ist die Hauptachse nach Sandhofen und weiter Richtung Rheinbrücke, die Königsberger Allee erschließt den Bezirk von Nord nach Süd.
Einen eigenen Bahnhof hat die Schönau nicht. Der Rangierbahnhof Mannheim-Waldhof an der Ostgrenze ist reiner Güterbahnhof. Der nächste Personenbahnhof ist Mannheim-Waldhof an der Riedbahn im Nachbarbezirk Waldhof, der von der S-Bahn Rhein-Neckar bedient wird.
Einkaufen und Alltag
Die Nahversorgung konzentriert sich auf die beiden Zentren an der Straßenbahn: das Schul- und Kirchenzentrum in Schönau-Nord mit den Läden rund um die Endstelle und die Kattowitzer Zeile in Schönau-Süd. Ein zweites kleineres Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten liegt im Osten von Schönau-Nord. Größere Einkaufszentren gibt es in den Nachbarbezirken, etwa in Waldhof-Ost.
Behördliches erledigen Sie im Bürgerdienst-Büro der Stadt Mannheim auf der Schönau, das dem Bezirk zugeordnet ist. Im Zentrum des Bezirks gibt es außerdem einen Polizeiposten. Das Jugendhaus Schönau, die Zweigstelle der Stadtbibliothek am Johanna-Geissmar-Gymnasium und die Vereinsheime sind die Treffpunkte für Kinder, Jugendliche und Familien.
Bankfilialen in der Umgebung finden Sie in der Übersicht Banken in Mannheim, Termine für Trödel und Second-Hand in den Flohmärkten in Mannheim. Wer Besuch erwartet, findet Unterkünfte in der Hotelübersicht. Die Nachbarbezirke Sandhofen im Westen und Käfertal jenseits des Käfertaler Waldes sind ebenfalls schnell erreichbar.