Lage und Gliederung
Der Stadtbezirk Waldhof liegt im Norden Mannheims und besteht aus den vier statistischen Stadtteilen Waldhof-West, Gartenstadt, Luzenberg und Waldhof-Ost. Am 31. Dezember 2024 hatte der Bezirk 25.423 Einwohner mit Hauptwohnung auf einer Fläche von 12,87 Quadratkilometern.
Der Waldhof trägt in der Hauptsatzung der Stadt die Ordnungsnummer 08 und zählt zu den elf äußeren Stadtbezirken. Wie alle äußeren Bezirke hat er einen Bezirksbeirat mit zwölf Mitgliedern und ein eigenes Gemeindesekretariat für örtliche Verwaltungsaufgaben. Zum Vergleich: Mannheim hat insgesamt 328.647 Einwohner in 17 Stadtbezirken und 38 Stadtteilen.
Die Postleitzahl 68305 deckt den gesamten Bezirk ab. Wer nach Mannheim 68305 sucht, meint also den Waldhof, die Gartenstadt oder den Luzenberg. Eine Übersicht aller Bezirke und Postleitzahlen finden Sie im Stadtteil-Hub.
Nachbarbezirke sind im Süden Neckarstadt-West und Neckarstadt-Ost, im Osten Käfertal, im Nordwesten Schönau und im Westen Sandhofen. Im Nordosten stößt der Bezirk an die hessische Stadt Viernheim im Landkreis Bergstraße. Der Luzenberg liegt unmittelbar an einem Arm des Altrheins, die Gartenstadt reicht bis an den Käfertaler Wald.
Geschichte in Kürze
Der Waldhof ist ein Kind der Industrialisierung: Aus einem gescheiterten Hofgut des frühen 19. Jahrhunderts wurde ab 1853 einer der größten Fabrikstandorte Mannheims. Der namensgebende Hof war wegen des unfruchtbaren Sandbodens rasch wieder aufgegeben worden, der Name blieb aber hängen.
1853 gründete die französische Glashütte Saint-Gobain hier eine Spiegelmanufaktur und ließ daneben die Spiegelkolonie bauen, eine der ältesten Arbeiterwohnsiedlungen Deutschlands. 1882 kam der Luzenberg zu Mannheim, 1885 folgte die Zellstofffabrik Waldhof, und 1897 wurde der Waldhof zusammen mit seiner Muttergemeinde Käfertal eingemeindet. Im selben Jahr wurde in der Spiegelsiedlung Sepp Herberger geboren, der spätere Bundestrainer und Weltmeister von 1954.
1908 verlegte Benz seine Fabrik auf den Waldhof. 1910 entstand die Gartenstadt-Genossenschaft, die ab 1912 die ersten Siedlungshäuser baute. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Wohngebiet Waldhof-Ost erschlossen. Ein Kapitel endete 2020: Saint-Gobain stellte die Glasproduktion in Mannheim zum Jahresende ein.
Charakter und Wohnen
Der Waldhof gilt als traditionelles Arbeiterviertel, und diese Herkunft prägt bis heute Bebauung und Alltag. Werkssiedlungen, Genossenschaftshäuser, Nachkriegswohnblocks und Einfamilienhausgebiete liegen hier dicht beieinander.
Die großen Arbeitgeber sitzen weiterhin im Bezirk. Im Süden liegt das Mercedes-Benz-Werk Mannheim mit Eisengießerei, Motorenwerk und Buskarosseriebau, das laut Wikipedia rund 8.500 Beschäftigte hat. Roche Diagnostics, über 138 Jahre als Boehringer Mannheim bekannt, ist mit rund 7.000 Beschäftigten der zweitgrößte Betrieb auf dem Waldhof. Bopp und Reuther, heute VAG Armaturen, zog 1897 aus der Neckarstadt hierher und baute für seine Belegschaft Wohnungen und Einfamilienhäuser in Werksnähe.
Wohnen auf dem Waldhof heißt deshalb je nach Stadtteil etwas anderes: verdichtete Arbeiterhäuser am Luzenberg, Reihen- und Einfamilienhäuser mit Gärten in der Gartenstadt, Geschosswohnungsbau in Waldhof-Ost. Das Gartenstadt-Journal des Bürgervereins erscheint monatlich und wird kostenlos an alle Haushalte in Gartenstadt und Waldhof verteilt.
Quartiere und Ortslagen
Vier Stadtteile bilden den Bezirk, dazu kommen kleinere Siedlungen mit eigenem Namen. Die Straßen der einzelnen Gebiete finden Sie im Straßenlexikon.
Waldhof-West
Waldhof-West ist der alte Waldhof rund um den Bahnhof und die Industrieflächen. Hier stehen die 1907 von Ludwig Maier erbaute katholische Kirche St. Franziskus und die im selben Jahr nach Plänen von Hermann Behaghel entstandene evangelische Pauluskirche, die heute als Jugendkirche genutzt wird. Direkt dahinter betreibt der Kulturverein Waldhof das Kulturhaus Waldhof mit Veranstaltungen und Stadtteilchronik. An der Carl-Reuther-Straße hat VAG Armaturen bis heute seinen Hauptsitz.
Gartenstadt
Die Gartenstadt ist die grüne Siedlung des Bezirks und geht auf die Gartenstadtbewegung aus England zurück: kleine Häuser auf großen Grundstücken, damit Industriearbeiter Obst und Gemüse selbst anbauen konnten. Die Mannheimer Architekten Hermann Esch und Arno Anke planten den Stadtteil, die ersten Häuser an Waldpforte, Waldstraße und Langer Schlag waren im Oktober 1912 fertig. In der alten Gartenstadt, die unter Denkmalschutz steht, entstanden 420 Einfamilienhäuser.
Ab 1925 wurden östlich davon Grundstücke an Privatleute vergeben; viele Häuser erhielten Holzschindelfassaden nach Schwarzwälder Vorbild. 1926 gründete die Stadt die GBG, die in der Gartenstadt Höfe für kinderreiche Familien baute. Ab 1930 kamen Siedlerhäuser hinzu, die Arbeitslose gemeinsam errichteten und unter sich verlosten. Spätere Bauabschnitte tragen bis heute eigene Namen wie Neueichwald I und II, Kirchwaldsiedlung, die Höfe und Am Hochwald. Typisch sind Straßennamen aus dem Wald: Rottannenweg, Weißtannenweg, Föhrenweg oder Eichenhof. Kirchlich versorgen die evangelische Gnadenkirche und die katholische Kirche St. Elisabeth den Stadtteil.
Luzenberg
Der Luzenberg liegt am Altrheinarm an der Grenze zur Neckarstadt und gilt als frühes Beispiel für sozialen Wohnungsbau in Deutschland. Saint-Gobain errichtete hier von 1853 bis 1855 die Spiegelmanufaktur und daneben die Spiegelkolonie für rund 400 Arbeiter aus Frankreich, 19 Wohnblöcke in Reihenbauweise plus Beamtenhäuser und Direktorenvilla. In den 1960er Jahren wurde die Siedlung fast vollständig abgerissen, die verbliebenen Gebäude wurden bis 2005 saniert.
Auffälligstes Bauwerk ist die Luzenbergschule: 1909 entstand hier der zweite städtische Wasserturm, ab 1914 wurde das Schulgebäude um ihn herum gebaut; seit 1976 dient der Turm nur noch der Schule. Die Ärztevilla in der Luzenbergstraße, eine Jugendstil-Doppelvilla von 1909 nach Plänen von Oswin Hempel, steht seit 1985 unter Denkmalschutz. Die frühere katholische Kreuzerhöhungskirche wird heute von der griechisch-orthodoxen Gemeinde genutzt. Der Spiegelpark mit Denkmal und Grotte und die zweitägige Kerwe gehören zum Stadtteilleben.
Waldhof-Ost
Waldhof-Ost wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Wohngebiet erschlossen und ist überwiegend von Geschosswohnungen geprägt. Die 1966 fertiggestellte Gethsemanekirche von Helmut Striffler ist die evangelische Kirche des Stadtteils. Hier liegt außerdem das Hallenbad des Bezirks. Auf dem ehemaligen Gelände von Bopp und Reuther entstand ein neues Einkaufszentrum, während das alte Zentrum von Waldhof-Ost seither an Bedeutung verloren hat.
Sehenswürdigkeiten und Freizeit
Die wichtigsten Anlaufstellen sind das Seppl-Herberger-Stadion, das Carl-Benz-Bad und der Käfertaler Wald, dazu kommen Industriekultur und Kirchenbauten. Weitere Ziele in der ganzen Stadt listet die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Mannheim.
Auf der Seppl-Herberger-Sportanlage am Alsenweg in der Gartenstadt spielt der SV Waldhof Mannheim, der in den 1980er Jahren in der Fußball-Bundesliga stand. Der TV 1877 Waldhof ist der zweite Traditionsverein des Bezirks, der VfB 1950 Gartenstadt trägt seine Spiele im Erich-Schäfer-Sportpark am Anemonenweg aus. Direkt daneben liegt das Carl-Benz-Bad, ein Freibad mit Schwimmer-, Nichtschwimmer- und Planschbecken, großen Liegeflächen und Sprungturm; in Waldhof-Ost gibt es zusätzlich ein Hallenbad. Alle Bäder der Stadt finden Sie unter Schwimmbäder in Mannheim.
Der Käfertaler Wald grenzt direkt an die Gartenstadt. Das Landschaftsschutzgebiet umfasst 12,76 Quadratkilometer Kiefern- und Mischwald auf Dünen und Hochterrasse und ist der größte Wald Mannheims. Zu den Freizeitangeboten gehören eine Minigolfanlage, ein Vogelpark und große Gehege mit Rot- und Damwild, Wildschweinen und Bisons. Die Freilichtbühne Mannheim spielt im Sommer für Kinder und Erwachsene, das zugehörige Zimmertheater in der Wintersaison.
Für Freunde historischer Architektur lohnen sich die Spiegelkolonie, die Luzenbergschule mit Wasserturm, die Ärztevilla und die Kirchen von 1907. Mehr dazu in der Sammlung historischer Gebäude in Mannheim.
Verkehr und Anbindung
Der Waldhof ist über Bahnhof, Stadtbahn und die Bundesstraße 44 gut angebunden. Der Bahnhof Mannheim-Waldhof liegt an der Riedbahn und wird von der S-Bahn Rhein-Neckar bedient; er wurde 2024 im Zuge der Generalsanierung der Riedbahn modernisiert. Bis Dezember 2025 hielten hier auch Regional-Express-Züge.
Die Stadtteile Waldhof-West, Waldhof-Ost, Gartenstadt und Luzenberg werden von Straßenbahnen und Bussen der RNV bedient. Mit der Stadtbahn Mannheim Nord, die 2016 in Betrieb ging, wurde die Gartenstadt als einer der letzten Stadtteile an das Schienennetz angeschlossen. An der Kreuzung Waldstraße und Hessische Straße teilt sich die Strecke in zwei Äste mit Endstellen an der Waldpforte und am Stillen Weg. Am Luzenberg treffen sich zwei Straßenbahn- und zwei Stadtbuslinien am Luzenbergknoten.
Für den Autoverkehr ist die B 44 die Hauptachse: nach Süden in die Innenstadt, nach Norden Richtung Groß-Gerau und Frankfurt. Die vierspurige Waldstraße (Landesstraße 597) führt zur B 38 und weiter zum Autobahnkreuz Viernheim mit den Autobahnen A 6 und A 659. Entlang der B 44 verläuft die Riedbahn, auf der auch ICE-Züge Richtung Norden fahren.
Einkaufen und Alltag
Die Nahversorgung konzentriert sich auf das neue Einkaufszentrum in Waldhof-Ost, dazu kommen Discounter und ein großer Baumarkt. Auf dem ehemaligen Gelände von Bopp und Reuther haben sich Aldi, die Rewe Group und die Drogeriekette dm angesiedelt, im Speckweg gibt es eine Lidl-Filiale. Die in Mannheim gegründete Bauhaus AG betreibt auf einem weiteren Teil des früheren Werksgeländes einen großen Baumarkt.
In der Gartenstadt sind Bürgerhaus, Bürgergarten und das Jugendhaus Waldpforte mit Abenteuerspielplatz und Waldhaus die Treffpunkte im Stadtteil. Der Bürgerverein Gartenstadt veranstaltet Musik- und Kabarettabende. Am Luzenberg organisiert der Stadtteilverein Wir am Luzenberg gemeinsame Feste, oft zusammen mit der griechisch-orthodoxen Gemeinde.
Behördliches erledigen Sie im Gemeindesekretariat des Bezirks. Bankfilialen in der Umgebung finden Sie in der Übersicht Banken in Mannheim, Termine für Trödel und Second-Hand in den Flohmärkten in Mannheim. Wer Besuch erwartet, findet Unterkünfte in der Hotelübersicht.